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Syrische Anaphoren - Edition nach den Handschriften

Der vorliegende Projektantrag wendet sich einem zentralen Forschungsgegenstand der christlichen Tradition zu: den syrischen Anaphoren - näherhin jenen der westsyrischen Tradition. Anaphoren sind Gebetsformulare für die eucharistische Liturgie, die zu einem erheblichen Teil auf antike Vorlagen zurückgehen. Es handelt sich dabei um Kerntexte kultureller, theologischer und konfessioneller Identität. Die Syrisch-Orthodoxe ("Westsyrische") Kirche hat eine unvergleichliche Vielfalt von Anaphoren hervorgebracht. Von den etwa 70 syrischen Anaphoren sind etwa drei Fünftel noch nicht in einer textkritischen Ausgabe verfügbar. Unter diesen Anaphoren befinden sich so bedeutende wie jene, die den Namen des Basilius (gest. 379) trägt, oder jene, die dem Athanasius von Alexandrien (gest. 373) zugeschrieben wird. Das Projekt Syrische Anaphoren wendet sich nun einem Corpus von einigen hundert Handschriften zu, welche solche Texte beinhalten. Innerhalb von zwei Jahren sind daraus sechs Anaphoren textkritisch zu edieren. Die syrischen Texte werden ebenso wie die Übersetzungen online zur Verfügung gestellt. Alle syrischen Wörter werden lemmatisiert und sind dann unabhängig vom Betriebssystem eines Computers elektronisch suchbar. Dieses Projekt versteht sich gewissermaßen als Fortsetzung der angesehenen Reihe Anaphorae syriacae (Rom), die seit Jahrzehnten keine Editionen mehr hervorgebracht hat. Freilich wird nun nicht mehr auf das altehrwürdige Latein als Übersetzungssprache zurückgegriffen, sondern auf moderne Wissenschaftssprachen (insbesondere Englisch). Zudem wendet das Projekt die vielfältigen Möglichkeiten der Informationstechnologie an, um die Texte zu erschliessen und frei zugänglich zu machen und um sie auf lange Zeit hin zu speichern. Das Projekt versteht sich überdies als Beitrag zur Bewahrung ältesten christlichen Kulturgutes, das heute mehr denn je - insbesondere auf syrischem Boden - in seinem Bestand bedroht ist.

Projektleiter: Dr. Erich Renhart

Projektausführende: Dr. Ephrem Aboud Ishac; Mag. Thomas Klampfl.

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